Wild wild (Süd)west

Wir wollen arbeiten. Was tun und bestenfalls helfen. Wir gehen zur Gästefarm Rooiklip in Namibia und landen in Südwest. Hannelore und Frans leben seit 15 Jahren auf der Farm. Lore zog es nach ihrem 60. Geburtstag von Ludwigshafen in ihre neue Wahlheimat. Auf die Frage, was sie hierhin verschlug, antwortet sie: “Na, die Geologie.” Namibia, die Abbruchkante des früheren Kontinenten Gondwana, ist das Nirwana für Geologen. So zog es ihren Sohn schon während des Geologie-Studiums hierhin und später auch sie.

Frans ist Südwester, die Burenfamilie wurde damals aus Südafrika vertrieben und Frans ist mit seinen Enkeln bereits in achter Generation im heutigen Namibia*. Was unterscheidet Südwest von Namibia? Wir glauben es ist eine Herzensangelegenheit. Wir merken’s nur an der Uhrzeit und können unsere Uhren wieder eine Stunde vorstellen. Winterzeit wie etwa in Namibia kennen die Südwester nicht (Namibia stellt als einzigstes Land in Afrika die Uhr im Winter eine Stunde zurück).

Die Farm erstreckt sich über 7’050 Hektaren, was in Quadratkilometern stolze 70.5 km2 sind. Das Grundstück ist damit etwa dreimal so gross wie die Fläche der Stadt Basel, so gross wie 8’597 Fussballfelder oder wer sich das Ausmass noch nicht ganz vorstellen kann: nur ein kleines bisschen kleiner als der Zürichsee (88.66 km2). Da staunt der Schweizer und der Südwester zuckt mit den Schultern. Ja so ist das hier eben.

Wir unterstützen die beiden wo wir können: beim Garten spritzen, Pool reinigen oder Dinge reparieren, denn hier wird nichts weggeworfen. Wir mauern mit leeren Bierflaschen – Recycling-Projekt des Bierliebhabers Frans – und helfen tüchtig bei der Versorgung der Gäste mit. Wir lernen für 12 Personen und mehr zu kochen, wie man Zebra-, Kudu- oder Oryxfleisch zubereitet und dass man keine Angst vor Aromat haben muss.

Wir helfen auch 457 Schafe von der Gästefarm bis zur 18km entfernten Nachbarfarm zu treiben. Frans musste die Hälfte seiner Schafe und Ziegen verkaufen, da es kaum mehr was zu fressen für sie gibt. Etwa 300 Zebras zogen im Januar über das Grundstück und grasten alles ab, was noch grün war. Zusammen mit fünf Arbeitern machen wir uns zu Fuss auf den langen Weg. Die Herde muss beisammen und der Kurs muss gehalten werden. Wir trotten also über fünf Stunden hinter den Schafen, die sich bewegen wir ein Fischschwarm und ihr Getrampel sich anhört wie das Rauschen eines Baches. Da ahnen wir noch nicht, in welchem Rausch wir uns selbst bald befinden werden.

Kurz vor dem Ziel kommt uns Frans mit seinem Landy abholen. Wir fahren schon mal zur Nachbarfarm und warten da gemeinsam auf das Eintreffen der Schafe. Axel und seine Familie empfangen uns herzlich. Darauf muss ein Bier getrunken werden. “Was? Du magst noch eines?” und schon steht das nächste Bier auf dem Tresen. “Jägermeister? Einen Doppelten?” und es wird eingeschenkt. Prost. Aussteigen gibts nicht. “So kenn ich dich ja gar nicht” und auch darauf trinken wir noch einen. Nach etwa acht – oder waren’s doch neun? – Jägermeister kommen die Schafe.

*1884 wurde Namibia zu einer Deutschen Kolonie und hiess Deutsch-Südwestafrika. In den Jahren 1918 bis 1990 war das Land unter Fremdverwaltung von Südafrika und bekannt als Südwest.(Quelle: Wikipedia)

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Lore und der Oryx Jonathan, welchen sie mit der Flasche grossgezogen hat.
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Frans verscheucht ein paar Paviane. Normalerweise jagt er Zebra, Oryx, Springbok und Kudu für die Versorgung der Farm.

 

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Nick mischt Beton für die Bierflaschenwand.
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Eva posiert vor dem fast vollbrachten Kunstwerk.
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Ein kritischer Blick des Chefs. Er scheint happy.
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Es kann noch ein ganzes Dorf gebaut werden. Die Flaschen liegen bereit.
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Die Schafe auf dem Weg zur Nachbarfarm.
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Auf dem Weg zurück ist nicht nur das Auto voll. 7 Personen und 8 Hunde. Passt. 
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Die Farm in voller Pracht. Danke Armin für das Foto. 

 

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