Ein Teppich kommt selten allein

Es war ein mal ein kleiner Junge, der seinen Vater zu seinen Patienten in die Berge begleitete. Ahmad sollte wie sein Vater Arzt werden. Doch das kam alles anders.

Auf den Reisen mit seinem Vater entdeckte er die Welt der Nomaden. Von Beginn war er fasziniert von der Kultur und ihrem Handwerk. Später brach er sogar sein Medizinstudium ab, um seiner Leidenschaft zu folgen. Von da an sparte er jeden Toman, kaufte und verkaufte einen Teppich nach dem anderen und lernte das Handwerk des Teppichreparierens.

Heute ist Ahmad einer der bekanntesten Händler für Kilim (Nomadenteppiche) in Esfahan. Regelmässig reist er mit gemieteten Eseln zu den Nomaden. Da bleibt er für ein paar Wochen bis er die besten Stücke entdeckt hat und die Nomadenfamilien überzeugen konnte, ihm diese zu verkaufen.

Wir lernen den 66-jährigen, verrückten und leicht verwirrten Teppich-Guru in seinem Laden kennen. Sein Neffe Mohammad hat uns da gekonnt mit einer Einladung zum Tee reingetrickst. Immer mal wieder muss man drauf reinfallen, denken wir uns. Ahmad wächst uns schnell ans Herz und so gehts uns auch mit seinen Teppichen. Man denkt, wenn man erst mal einen Teppich gekauft hat, dann ist das Geschäft getan und gut so. Doch beim plauderfreudigen Ahmad läuft das anders. Spätabends er lädt uns ein, am nächsten Morgen zum Tee zu kommen und uns die geheimen Gänge des Bazars zu zeigen. Wir bekommen Teppichkunde aus erster Hand, lernen wie die Keramik hergestellt wird, welche alle Moscheen so hübsch verzieren und klettern über die Dächer des Bazars. Genug ist nicht genug, er besteht darauf, uns zum Mittagessen inklusive Hubblybubbly einzuladen. Ahmad vergisst gerne mal die Zeit, er ist da wo er gerade ist und so hat er den ganzen Tag mit uns verbracht. Wir sollen ihn doch gleich wieder in seinem Laden treffen, um dann zusammen mit ihm nachhause zu gehen. Keine Widerrede, wir sollen bei ihm schlafen. Auf dem Nachhauseweg führt er uns noch zu all seinen Lieblingsplätzen, erzählt von den guten alten Schahzeiten und wie alles nicht mehr ganz so lustig sei seit der Revolution. Gäste sind im Iran ein Geschenk Gottes und genauso fühlen wir uns bei Ahmad zuhause. Wir werden bekocht und verwöhnt. Auf den mehrtausendfränkigen Perserteppichen lässt es sich auch ausgezeichnet schlafen.


  
        

ON TOUR MIT AHMAD                 
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